Narbenpflege und deren Behandlung

Da die Narbenbildung und Reifung individuell sehr unterschiedlich verlaufen kann, muss auch die Pflege und Behandlung individuell gestaltet werden. Eine sorgfältige Narbenpflege beeinflusst das Aussehen der Narbe nachhaltig

Narbenpflege

Eine sorgfältige Narbenpflege kann das Aussehen der Narbe positiv beeinflussen. Frische Narben können (wenn keine anderen ärztlichen Verordnungen bestehen) mit klarem Wasser gereinigt werden. Auf direkten Kontakt zu Seifen und Ähnlichem sollte bei frischen Narben verzichtet werden. Schorf dient der Wundheilung und fällt mit der Zeit selbständig ab – nach der Reinigung sollte die Narbe daher nur leicht trocken getupft werden.
Grundsätzlich sollten Narben zunächst keinen starken Temperaturreizen ausgesetzt werden. Intensive Sonnenbestrahlung, Solarium, Sauna, Wärme oder extreme Kälte können vor allem bei frischen Narben die Gewebsbildung negativ beeinflussen.
Bei der Auswahl von Kleidungsstücken sollte besonders bei frischen Narben darauf geachtet werden, dass das empfindliche Narbengewebe durch eng anliegenden Stoff nicht gereizt oder verletzt wird. Auch bei Dehnungs- und Kräftigungsübungen ist zunächst größere Vorsicht geboten.

Narbenpflaster - Silikonauflagen

Vor allem bei der Behandlung hypertropher Narben, also wucherndem Narbengewebe im Wundbereich, sind sog. Narbenpflaster sehr wirksam. Narbenpflaster können aber auch vorbeugend, etwa nach der Entfernung von Leberflecken, Warzen oder Muttermalen, angewendet werden, um die Heilungsprozesse zu unterstützen und die Bildung hypertropher Narben zu verhindern.

Narbenpflaster bestehen aus Polyurethan, das atmungsaktiv und wasserdampfdurchlässig ist. Sie schaffen im Narbenbereich ein Hautklima, das die Stoffwechselprozesse anregt und die Regeneration des Gewebes fördert. Zusätzlich bewirken Narbenpflaster durch die Ausübung von leichtem Druck auf die Narbe, eine Umstrukturierung des Gewebes und erhöhen so dessen Elastizität. Narbenpflaster enthalten keine pharmazeutischen Wirkstoffe, Nebenwirkungen durch ihre Anwendung sind nicht bekannt.

Narbenpflaster können sowohl bei frischen als auch bei alten Narben eingesetzt werden. Ihre Anwendung ist schmerzfrei und in der Regel auch bei Personen mit Allergien oder empfindlicher Haut, bei Kindern und während der Schwangerschaft geeignet.
An Körperteilen, die viel bewegt werden (z.B. Ellbogen, Knie), kann die Anwendung zusätzlicher Fixierstreifen notwendig werden, die mitunter zu Hautreizungen führen können.

Die Narbenpflaster werden nach abgeschlossener Wundheilung (kein Schorf mehr, Fäden nach operativen Eingriffen müssen gezogen sein) auf die Narbe geklebt und dort mindestens 12 Stunden belassen. Aus hygienischen Gründen sollten sie spätestens nach 24 Stunden gewechselt werden.
Eine Behandlung mit Narbenpflastern erfolgt über einen Zeitraum von etwa zwei bis drei Monaten, wobei die Behandlungszeit von der Beschaffenheit der Narbe und der Hautstruktur des Betroffenen abhängt. Während dieses Zeitraums sollte die Behandlung nicht länger als 12 Stunden unterbrochen werden, um einen Behandlungserfolg nicht zu gefährden.

Narbengels, Narbensalbe

Spezielle Narben-Gels oder Narben-Salben reduzieren Rötungen, wirken auflockernd auf das Gewebe, lindern Schmerz und Juckreiz und verhindern das Wachstum von wucherndem Bindegewebe.

Die Behandlung mit Narben-Gels und –Salben kann beginnen, wenn die Wundränder vollständig geschlossen bzw. die Fäden entfernt worden sind. Das Gel oder die Salbe sollte über mehrere Wochen mindestens zweimal täglich leicht in das Narbengewebe einmassiert werden. Narben-Gels eignen sich zur Behandlung von frischen und auch älteren Narben. Bei älteren oder verhärteten Narben empfiehlt sich zusätzlich zur täglichen Pflege das Anlegen eines Salbenverbands über Nacht. Bei regelmäßiger Pflege verliert die Narbe an Umfang, wird blasser und unauffälliger.

Narbengels und Narbensalben sind in Apotheken erhältlich und enthalten Wirkstoffe wie z.B. Extractum cepae (Zwiebelextrakt), Allantoin, Heparin oder Dexpanthenol

Narbenbehandlung, Narben Mobilisierung durch den Physiotherapeuten

Eine bewährte Methode der Narbenbehandlung, etwa nach operativen Eingriffen, ist die vorsichtige Massage des Narbengewebes durch den Physiotherapeuten (Mobilisierung).

Durch Ziehen und Streichen des umliegenden Gewebes werden Verklebungen des Narbengewebes mit den darunterliegenden Gewebeschichten gelöst. Die gezielte Zugbeanspruchung verhindert das Schrumpfen des Narbengewebes und wirkt darüber hinaus als Reiz für die Umwandlung der Narbe zu funktionstüchtigem Gewebe.

Die Mobilisierung von Narben sollte frühestens nach Abschluss der Wundheilung (kein Schorf mehr, Fäden nach operativen Eingriffen müssen gezogen sein) beginnen

Spritzenbehandlung zur Narbenkorrektur

Bei der Spritzenbehandlung von Narben wird durch Einspritzen (Injektion) von Glukokortikoiden in hypertrophes Narbengewebe eine Reduktion der Bindegewebsproduktion bewirkt, die Haut wird flacher und geschmeidiger.

Narben, die unter dem Hautniveau liegen und deshalb kleine Grübchen bilden (atrophe Narben, z.B. durch Akne) können durch das Einspritzen von Kollagen aufgefüllt werden

Narbenpflege durch einen Kompressionsverband

Ein Kompressionsverband hemmt die Entstehung von Narbenwucherungen und führt so zu einem besseren Narbenergebnis. Insbesondere Verbrennungsnarben, aber auch Narben, die aufgrund großflächiger Verletzungen entstanden sind, lassen sich durch einen rechtzeitig angelegten Kompressionsverband günstig beeinflussen.

Als Kompressionsverband dienen dabei vor allem elastische Binden und speziell angefertigte Kompressionskleidung, die von den Betroffenen über einen längeren Zeitraum hinweg (häufig mehrere Monate) getragen wird.

Durch den Kompressionsverband werden starke Dehnungen der Wundbereiche in Folge häufiger Bewegung verhindert, die die Bildung von überschießendem Narbengewebe begünstigen. Darüber hinaus wirkt der kontinuierlich einwirkende Druck als Reiz für die Umwandlung des Ersatzgewebes zu funktionstüchtigem Gewebe und erhöht die Elastizität der entstehenden Narben