Sentinellymphknoten–Entfernung (Wächterlymphknoten)

Der Lymphknotenstatus ist ein wichtiger Parameter für die Primärtherapie des Brustkrebs. Dabei ist der Lymphknotenstatus auch heute noch ein wichtiger Prognoseparameter, der die adjuvante Therapieentscheidung erheblich beeinflusst. Lange war die komplette Ausräumung sämtlicher Lymphknoten aus der Achselhöhle die einzig verfügbare Option, um den Lymphknotenstatus zu ermitteln. Die Lymphknotenentfernung stellte eine diagnostische und (im Falle tumorbefallener Lymphknoten)  therapeutische Maßnahme zur Sicherung der lokalen Kontrolle im Bereich der Lymphabflussgebiete dar.

Mit der Wächterlymphknoten-Entfernung (englisch: Sentine node, daher: SLNE) wurde vor wenigen Jahren ein neues Verfahren eingeführt, das dem Anspruch an eine hohe diagnostische Genauigkeit gerecht wird und gleichzeitig die möglichen Schäden der konventionellen Lymphknotenentfernung in der Achselhöhle drastisch reduziert. Dabei stellt die SLNE ein zielgerichtetes, minimalinvasives Operationsverfahren dar, mit dem der Lymphknotenstatus präzise ermittelt werden kann. Die Methode beruht darauf, dass Tumoren einen geordneten Lymphabfluss aufweisen und zunächst über einen (oder wenige) Lymphknoten, den Sentinel nodes drainiert werden.

Bei einer lymphogenen Metastasierung wird (werden) zunächst der (die) SLN befallen, bevor andere Lymphknoten beteiligt werden. Bei einem negativen SLN kann daher auf die Entfernung der übrigen Lymphknoten verzeichnet werden. Bei einem befallenen SLN sollte eine konventionelle Axilladissektion durchgeführt werden. Die Sentinel-Node-Exzision ist auch in der S3 Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms wie folgt aufgenommen: "Die Bestimmung des histologischen Nodalstatus (pN-Status) ist Bestandteil der operativen Therapie des invasiven Mammakarzinoms. Diese sollte mit Hilfe der Sentinel-Node-Exzision erfolgen. Patientinnen die einen positiven SLN aufweisen, wird eine axilläre Dissektion mit Entfernung von mindestens 10 Lymphknoten empfohlen".

Die SLNE sollte nicht nach neoadjuvanter Chemotherapie durchgeführt werden. Dies gilt insbesondere für Patientinnen, die vor Chemotherapie suspekte Lymphknoten aufweisen. Eine Kontraindikation gegen eine SLNE stellt der Verdacht auf eine fortgeschrittene Lymphknotenbeteiligung in der Axilla dar. 
Die lymphoszintigraphische Markierung ist das Standardverfahren für die Darstellung des SLN. Die lymphatische Drainage der gesamten Brust, einschließlich der darüber liegenden Haut, erfolgt über den (die) gleichseitigen axillären SLN. Lediglich die brustwandnahen Regionen können einen zusätzlichen Lymphabfluss über die mediosternalen Lymphknoten haben. Als Injektionsstelle für das Radiopharmakon hat sich die periareoläre intradermale Lokalisation bewährt.

Während der Operation werden zunächst die Sentinellymphknoten identifiziert, entnommen und zur Schnellschnittuntersuchung eingeschickt. In etwa 15 % der Fälle stellen sich mehr als 3 Lymphknoten als Sentinellymphknoten dar, so dass entsprechend mehr Lymphknoten entnommen werden müssen. Sind die entnommenen Lymphknoten tumorfrei, kann auf eine weitere Axilladissektion verzichtet werden. Zeigen die oder der Sentinellymphknoten Tumorinfiltration, wird eine Axilladissektion im Level I und II angeschlossen, um eine verlässliche Aussage über den Lymphknotenstatus (pN-Status) treffen zu können. 
Die Schnellschnittuntersuchung des Sentinellymphknoten ist ein sehr sicheres Verfahren.

Dennoch findet der Pathologe, bei zunächst im Schnellschnitt negativen Lymphknoten, in 5 % der Fälle, bei der endgültigen histologischen Aufarbeitung des Lymphknotengewebes doch Tumorinfiltration, so dass dann nochmals in einem zweiten operativen Schritt eine Achselhölenausräumung durchgeführt werden muss. Dennoch stellt heute die SLNE das Standardverfahren dar.