Rekonstruktive Chirurgie: Lymphchirurgie bei Lymphödem

Bei Brustkrebs und anderen bösartigen Erkrankungen kann es notwendig werden, die Lymphdrüsen in der Achselhöhle oder der Leiste zu entfernen. Nicht selten kommt es zu einem Lymphstau im Arm oder im Bein. Besonders wenn die Patientinnen und Patienten zusätzlich eine Chemotherapie und Bestrahlung erhalten, entwickelt sich zusätzlich eine innere Narbe, die den Lymphtransport im Körper stört. Folge: Die Arme werden dick und schmerzen. Die Haut ist geschwollen und häufige Hautinfektionen (Erysipel) treten auf. Bisher erhalten die Patienten lebenslang Lymphdrainage und müssen Kompressionswäsche tragen. Bei Hautinfektionen müssen Antibiotika eingenommen werden.

Durch eine neue mikrochirurgische Technik kann ein kleiner Lymphdrüsenanteil (Lymphknotentransplantation) aus einer gesunden Leiste oder einer gesunden Achselhöhle entnommen werden. An der betroffenen Stelle wird zunächst die Narbe entfernt und dann das neue Gewebe unter dem Mikroskop neu eingepasst. Dadurch können sich neue Lymphbahnen bilden und die Lymphe aus dem betroffenen Arm oder Bein in den Körper leiten. Bei Patientinnen, die gleichzeitig eine Brustamputation erlitten haben, kann sogar in der gleichen Operation die Brust wiederhergestellt werden. Die gesunde Seite, an der man das Gewebe entnimmt, erleidet in der Regel keinen Schaden.

Die Patientinnen, die operiert werden, beschreiben meist eine sehr schnelle Schmerzlinderung im Arm. Es braucht aber durchaus ein bis zwei Jahre, ehe die Arme oder Beine deutlich abschwellen, so lange benötigen die Lymphbahnen zur Neubildung. Bis dahin sollte die Therapie mit Lymphdrainage und Kompressionswäsche auch fortgeführt werden.  Die Erfahrungen der "Erfinderin" dieser Methode (Dr. C. Becker aus Paris) zeigen aber, dass sich die Operation lohnt und den Patienten den Alltag erleichtert.