BRUSTERHALTENDE THERAPIE (BET)

Ziel der operativen Therapie bei Brustkrebs ist heute die Erhaltung der Brust. Anfang der 90er Jahre wurde die radikale Brustentfernung von der brusterhaltenden Therapie (BET) weitgehend abgelöst. Das wesentliche Prinzip der BET ist die Tumorentfernung im Gesunden, die Wächter (Sentinel)-lymphknoten-Identifizierung und die anschließende Strahlentherapie des verbliebenen Drüsengewebes in der operierten Brust.

Mit diesem Vorgehen lässt sich eine Gleichwertigkeit von BET und kompletter Drüsenentfernung hinsichtlich Wiederauftreten (Lokalrezidiv) und Gesamtüberleben erzielen. Ob eine weitere systemische Therapie (antihormonelle Therapie, Chemotherapie, Antikörpertherapie) erforderlich ist, hängt von einer ganzen Reihe von Parametern ab. Prognostische Faktoren haben bei jeder einzelnen Patientin und jedem einzelnen Tumor einen entscheidenden Einfluss auf die individuelle Entscheidung für eine adjuvante Therapieempfehlung. Die „maßgeschneiderte“ Therapie für die einzelne Patientin ist das angestrebte Ziel.

Kontraindikationen für eine BET sind neben Multizentrizität (Brustkrebs in mehreren Brustbereichen) und einer inflammatorischen Komponente auch ungünstige Brust-Tumor-Größenrelation; des Weiteren eine Lymphangiosis carcinomatosa (Einbruch von Karzinomzellen in die Lymphgefäße der Brust) oder Adhärenz (großflächiges Anheften) des Tumors an der Haut oder dem Brustmuskel. Bei bereits vorausgegangener BET und Strahlentherapie in der Rezidivsituation sollte ebenfalls eine Mastektomie diskutiert werden.

Die Rate an BETs fand Eingang in die S3 Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie und wird im Rahmen der Qualitätssicherung abgefragt. Bei ca. zwei Drittel der Patientinnen sollte heute eine BET erreichbar sein und auch unter Einsatz aufwendiger Operationen zur Rekonfiguration der Brust angestrebt werden.

Vor jeder Tumoroperation an der Brust sollte die histologische Diagnose des Tumors durch Stanz- oder Vakuumbiopsie präoperativ gesichert sein. Diese ermöglicht dann ein wesentlich differenzierteres operatives Vorgehen. Bei den heute deutlich verbesserten Früherkennungsverfahren werden wir in zunehmendem Maß mit Tumoren konfrontiert, die so klein sind, dass man sie nicht tasten kann. Um dennoch möglichst genau den verdächtigen Bereich in der Brustdrüse zu finden, muss dieser vor der Operation von einem Radiologen markiert werden. Als zuverlässigste Maßnahme hat sich die sog. Feinnadelmarkierung unter mammographischer oder Ultraschallkontrolle oder selten unter kernspintomographischer Kontrolle erwiesen. Aber auch bei tastbaren Tumoren lassen wir gerne Feinnadelmarkierungen durchführen, da der tastbare Tumor aufgrund einer peritumorösen Entzündung oft größer erscheint als das eigentlich bösartige Gewebe.